Margarete von Wrangell
seit 1928: Fürstin Andronikow, geborene Baronesse von Wrangell (* 7. Januar 1877 in Moskau; † 21. März 1932 in Hohenheim)

"Margarete von Wrangell", 120 x 90 cm, Öl & Acryl auf Leinwand, 2010
Margarete von Wrangell war eine deutsch-baltische Agrikulturchemikerin und die erste ordentliche Professorin an einer deutschen Hochschule.
Seit dem Sommer 1918 arbeitete Margarete von Wrangell an der Landwirtschaftlichen Versuchsstation Hohenheim, seit 1920 als Leiterin einer eigenen Abteilung. Ihre ersten wissenschaftlichen Versuche galten dem Verhalten der Phosphorsäure im Boden. 1920 habilitierte sie sich an der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim mit einer Arbeit über Phosphorsäureaufnahme und Bodenreaktion. In ihren Experimenten hatte sie beobachtet, daß einige Pflanzenarten, bei gleichzeitigem Vorhandensein von physiologisch sauren Düngemitteln, die schwerlöslichen Bodenphosphate relativ leicht in pflanzenverfügbare Verbindungen umwandeln können. Basierend auf dieser Erkenntnis entwickelte Friedrich Aereboe das Düngungssystem Aereboe-Wrangell, das die deutsche Landwirtschaft weitgehend von importierten Rohphosphaten unabhängig machen sollte. Durch die Propagierung dieses Düngungssystems, das bei den Agrikulturchemikern zu einem heftigen Meinungsstreit führte, wurde der Name Margarete von Wrangell weit über die Grenzen ihres Fachgebietes bekannt.
1922 war Fritz Haber am Physikalisch-Chemischen Institut der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zu Berlin, der während des Ersten Weltkrieges die großtechnische Synthese von Ammoniak aus dem Luftstickstoff entwickelt hatte, auf Margarete von Wrangell aufmerksam geworden. Er versuchte sie als ständige Mitarbeiterin für sein Institut zu gewinnen. Frau von Wrangell arbeitete auch ein Jahr lang in Berlin, ging dann jedoch nach Hohenheim zurück. 1923 wurde sie – gegen den Widerstand mancher Hohenheimer Professoren – zur ordentlichen Professorin für Pflanzenernährungslehre an der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim ernannt. Mit finanzieller Unterstützung der Reichsregierung erhielt sie ein eigenes Institut für Pflanzenernährung mit Laboratorien und einem Versuchsfeld. Bis zu ihrem Tode leitete sie dieses Institut.
Während dieser Zeit hat Margarete von Wrangell eine fruchtbare Lehr- und Forschungstätigkeit entfaltet. Im Mittelpunkt ihrer experimentellen Tätigkeit standen weiterhin Arbeiten zum Problem der Phosphatdüngung, vor allem methodische Untersuchungen zur Bestimmung der pflanzenverfügbaren Anteile der Bodenphosphate. 16 Doktoranden führte sie zur Promotion. Neben ihren selbständigen Schriften hat sie Übersichtsbeiträge in Handbüchern, zahlreiche Aufsätze in Fachzeitschriften und auch mehrere praxisorientierte Arbeiten veröffentlicht. Verdienstvoll für die deutsche Landbauwissenschaft war ihre Tätigkeit als Herausgeberin des Werkes Die Düngerlehre von dem führenden sowjetischen Agrarwissenschaftler D. Nikolajewitsch Prjanischnikow. Sie engagierte sich aber auch im Deutschen Akademikerinnenbund.
1928 heiratete sie ihren Jugendfreund, den Fürsten Wladimir Andronikow. Bereits fünf Jahre später, im Alter von 55 Jahren, verstarb sie an einem Nierenleiden. Auf einem 1934 auf dem Gelände ihres Hohenheimer Instituts errichteten Gedenkstein ist der wissenschaftliche Leitspruch der Forscherin festgehalten: „Ich lebte mit den Pflanzen. Ich legte das Ohr an den Boden und es schien mir, als seien die Pflanzen froh, etwas über die Geheimnisse des Wachstums erzählen zu können“.